Trockene Literaturverfilmung nach Martin Suter. Gérard Depardieu spielt großartig einen Alzheimer-Kranken und Alexandra Maria Lara rehäugiger Blick ist perfekt für die neugierigen Blicke der eingeheirateten Schwiegertochter.
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Martin Suters erster Roman ist bis heute noch immer sein erfolgreichster. Aufgrund der vielen verworrenen Erinnerungen, der komplizierten Familienverhältnisse und dem groß dargestellten Innenleben der Figuren galt er lange als unverfilmbar. Bruno Chiche wagt es dennoch und sein größter und einziger Trumpf ist Gérard Depardieu in der Hauptrolle. Der Freigeist Konrad Lang (Gérard Depardieu) vergisst zusehends alltägliche Dinge, erinnert sich aber immer präziser an seine früheste Kindheit. Nicht zuletzt aus diesem Grund zieht es ihn auch zurück in den Schoß der Industriellen-Familie Senn, zu der sich Konrad durch die gemeinsam verbrachte Kindheit mit dem gleichaltrigen Thomas zugehörig fühlt. Thomas' Mutter, das resolute Familienoberhaupt Elvira Senn, gewährt Konrad zwar Unterkunft, reagiert jedoch zunehmend beunruhigt und ablehnend auf Konrads Erinnerungen.
Die stolze Hausherrin Elvira (FranÇoise Fabian) beim Tanz mit ihrem Enkel Philippe (Yannick Renier) am Abend seiner Hochzeit.
Verwundert beobachtet Simone (Alexandra Maria Lara), die junge Gattin des Familienerben, die wachsende Nervosität der Familienangehörigen. Sie fühlt sich zu dem verwirrten Alten hingezogen, während der Rest der Familie sich kühl distanziert. Als Simone auch noch damit beginnt, das Puzzle aus Konrads Erinnerungen zusammen zu setzen, ahnt sie nicht, dass sie damit einem lebensgefährlichen Geheimnis auf der Spur ist.
Simone (Alexandra Maria Lara) am Abend ihrer Hochzeitsfeier.
Gérard Depardieu gibt den an Alzheimer erkrankten Konrad mit einer ungeheuren Intensität und Präsenz. Sein Spiel beherrscht die Leinwand. Seiner der Krankheit geschuldeten kindlichen Naivität wird die kindliche Neugier von Simone (die rehäugige ^Alexandra Maria Lara) an die Seite gestellt. Sie will das Geheimnis der Familie entdecken und fühlt sich mit jeder neuen Entdeckung ein bisschen mehr fehl am Platze.
Zusammentreffen im Park der Familienvilla: Konrad (Gerard Depardieu) und Simone verstehen sich auf Anhieb.
Dem unvermeidlichen Vergleich mit Chabrols Filmen kann Bruno Chiche nicht standhalten. Wo Chabrol seine Figuren klar gezeichnet hätte und im Mikrokosmos der bourgeoisen Familie geblieben wäre, versucht Chiche (eng am Roman) noch allerhand Nebenschauplätze in die 100 Minuten zu packen. Die Geliebte Konrads, sein plötzlicher Aufenthalt in einem Pflegeheim und die schon kurz nach der Hochzeit zerrüttete Ehe von Simone – dies alles zieht die Aufmerksamkeit vom Hauptschauplatz ab und verwirrt unnötig.
Was bleibt, ist eine trockene Literaturverfilmung, die zwar genau wiedergibt, was der Roman beschreibt, aber eben auch nicht mehr. Eine eigene Interpretation der Geschichte oder der Psychologie der Familie fehlt. Freunde von Gérard Depardieu dürften allerdings dennoch auf ihre Kosten kommen.
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